ch.oddb.org
 
Analysen | Apotheken | Arzt | Interaktionen | Medikamente | MiGeL | Services | Spital | Zulassungsi.
Fachinformation zu Fansimef®:Roche Pharma (Schweiz) AG
Vollst. FachinformationDDDHeatmap anzeigenDrucken 
Gal.Form/Ther.Gr.Zusammens.Eigensch.Pharm.kinetikInd./Anw.mögl.Dos./Anw.Anw.einschr.Unerw.Wirkungen
Interakt.Überdos.Sonstige H.Swissmedic-Nr.Stand d. Info. 

Malariamittel 

Zusammensetzung

1 Tablette (mit Bruchrille) enthält:

Wirkstoffe: Mefloquinum 250 mg ut Mefloquini hydrochloridum, Sulfadoxinum 500 mg, Pyrimethaminum 25 mg.

Hilfsstoffe: Excip. pro compr.

Eigenschaften/Wirkungen

Die für die Therapie der Malaria wesentliche Wirkung von Fansimef besteht in der Abtötung der ungeschlechtlichen Blutformen der Malariaerreger des Menschen (Plasmodium falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae). Fansimef wirkt auch gegen Malariaparasiten, die eine Resistenz gegen andere Malariamittel, wie Chloroquin und andere 4-Aminochinolin-Derivate, Proguanil, Pyrimethamin sowie Sulfonamid-Pyrimethamin-Kombinationen, entwickelt haben.
Die Komponenten von Fansimef ergänzen sich auf vorteilhafte Weise: Zwischen Sulfadoxin und Pyrimethamin, den Wirkstoffen des Malariamittels Fansidar®, besteht eine synergistische Wirkung, und Mefloquin wirkt mit Sulfadoxin-Pyrimethamin additiv. Mit Fansimef liess sich an Nagetieren eine im Vergleich zu den Einzelsubstanzen verzögerte Resistenzentwicklung nachweisen.
Angesichts der Eigenschaft von Plasmodium falciparum, beim Menschen Resistenz gegen Malariamittel zu entwickeln, kommt der resistenzverzögernden Wirkung von Fansimef besondere Bedeutung zu.

Pharmakokinetik

Absorption
Nach Einnahme einer Tablette Fansimef werden die maximalen Plasmaspiegel für Mefloquin (0,36 mg/l) innerhalb von 16 Stunden, für Sulfadoxin (60 mg/l) und für Pyrimethamin (0,2 mg/l) innerhalb von 4 Stunden erreicht.

Distribution
Das Verteilungsvolumen beträgt für Mefloquin etwa 12 l/kg, für Sulfadoxin 0,14 l/kg und für Pyrimethamin 2,3 l/kg. Für die Bindung an Plasmaeiweiss wurden folgende Werte ermittelt: Mefloquin etwa 98%, Sulfadoxin und Pyrimethamin etwa 90%. In Abhängigkeit von der Parasitämie und der Dauer der Infektion kann die Konzentration von Mefloquin in den roten Blutkörperchen um das Zwei- bis Vierfache höher sein als im Plasma. Die Konzentration von Sulfadoxin in der Erythrozytenfraktion des Blutes macht etwa 3% derjenigen im Plasma aus. Pyrimethamin erreicht in den Erythrozyten etwa 50% der Konzentration im Plasma. Alle drei Wirkstoffe von Fansimef passieren die Plazentaschranke und treten in die Muttermilch über.

Metabolismus
Für Mefloquin konnten mehrere Metaboliten identifiziert werden. Deren wichtigster, 2,8-bis-Trifluormethyl-4-chinolincarbonsäure, ist gegenüber Plasmodium falciparum unwirksam. Etwa 5% von Sulfadoxin erscheinen im Blut als azetylierter Metabolit, etwa 2 bis 3% als Glukuronid. Pyrimethamin wird in mehrere Metaboliten umgewandelt.

Elimination
Charakteristisch für alle drei Komponenten sind die langen Eliminationshalbwertzeiten; die Durchschnittswerte betragen für Mefloquin etwa 500 Stunden, für Sulfadoxin etwa 200 Stunden und für Pyrimethamin etwa 100 Stunden. Sowohl Sulfadoxin als auch Pyrimethamin werden hauptsächlich durch die Nieren ausgeschieden. Mefloquin wird grösstenteils unverändert über Galle und Fäzes ausgeschieden; 5-13% werden mit dem Urin eliminiert.

Kinetik in besonderen klinischen Situationen
Bei Malariapatienten unterscheiden sich einzelne pharmakokinetische Parameter je nach untersuchter Population bisweilen von denjenigen gesunder Probanden.
Bei Patienten mit Nieren- und/oder Leberinsuffizienz muss mit verzögerter Elimination der Wirkstoffe von Fansimef gerechnet werden.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Fansimef ist indiziert zur Therapie der gegen andere Malariamittel resistenten P.-falciparum-Malaria.
Im Anschluss an die Therapie einer P.-vivax-Malaria mit Fansimef ist zur Eliminierung der Leberformen eine Rückfallprophylaxe mit einem 8-Aminochinolin-Derivat, zum Beispiel Primaquin, zu erwägen.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Erwachsene
Nichtimmune Patienten: einmalige Dosis von 3 Tabletten.
Teilimmune Patienten: bis zu 60 kg Körpergewicht einmalige Dosis von 2 Tabletten, bei Patienten mit mehr als 60 kg 3 Tabletten, ebenfalls als einmalige Dosis.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder (<45 kg), unabhängig von der Immunität:
Je nach Alter ½ bis 2 Tabletten als Einmaldosis gemäss folgendem Schema:

----------------------------------------------------
Kinder unter 4 Jahren  ( 5-10 kg):   1/2 Tablette   
        4-6  Jahre     (11-20 kg):   1   Tablette   
        7-9  Jahre     (21-30 kg):   1 1/2 Tabletten
       10-14 Jahre     (31-45 kg):   2 Tabletten    
----------------------------------------------------
Tabletten unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit nach einer Mahlzeit einnehmen.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Die Anwendung von Fansimef ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter oder vermuteter Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe. Auch bei Sulfonamidunverträglichkeit sowie bei Blutdyskrasien ist Fansimef kontraindiziert.
Insbesondere darf nach Auftreten von Sulfonamid-Unverträglichkeitserscheinungen eine Behandlung mit Fansimef nicht wiederholt werden.
Säuglingen darf Fansimef während der ersten zwei Lebensmonate nicht verabreicht werden.

Vorsichtsmassnahmen
Bei Patienten mit kardialen Erregungsleitungsstörungen sollte Fansimef mit besonderer Vorsicht angewendet werden.
Bei Epileptikern kann Mefloquin, besonders bei hoher Dosierung, das Anfallsrisiko erhöhen.
Vorsicht ist geboten beim Lenken von Fahrzeugen, beim Pilotieren von Flugzeugen oder beim Bedienen von Maschinen, da während und bis zu drei Wochen nach Einnahme über das Auftreten von Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen oder neuropsychiatrischen Reaktionen berichtet wurde. Während der Verweildauer der Wirkstoffe von Fansimef im Organismus, also während etwa 4 Wochen nach der Einnahme, sollte exzessive Sonnenexposition vermieden werden. - Siehe auch Interaktionen!

Schwangerschaft, Stillzeit
Schwangerschafts-Kategorie C.
In Tierversuchen konnten mit den Wirkstoffen von Fansimef teratogene bzw. embryotoxische Wirkungen festgestellt werden. Obwohl die in diesen Versuchen wiederholt verabreichten Dosen die therapeutische Dosierung um ein Mehrfaches übertrafen, ist Fansimef im ersten Trimenon kontraindiziert und darf während den folgenden Schwangerschaftsmonaten nur bei zwingender medizinischer Indikation angewendet werden und nur dann, wenn der zu erwartende Nutzen das mögliche Risiko für den Fötus rechtfertigt.
Da die Wirkstoffe von Fansimef in die Muttermilch übertreten, soll Fansimef während der Stillperiode nicht angewendet werden, oder es soll bei Einnahme abgestillt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Der Vollständigkeit halber sind im folgenden die Nebenwirkungen von Mefloquin sowie von Sulfadoxin plus Pyrimethamin (Fansidar®) in absteigender Häufigkeit aufgezählt, obwohl nicht alle auch bei Anwendung von Fansimef beobachtet wurden;
Unerwünschte Wirkungen, die mit der Behandlung mit Mefloquin in Zusammenhang gebracht wurden: Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, weiche Stühle oder Diarrhoe, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schwächegefühl, Parästhesien, Sehstörungen, Herzklopfen, Bradykardie, Arrhythmie, Extrasystolen, AV-Block, Haarausfall, Hautausschlag, Juckreiz, Urtikaria, Konvulsionen, selten psychische Veränderung wie depressive Verstimmung, Verwirrtheit, Angstzustände, Halluzinationen, paranoide Reaktionen, Benommenheit, vorübergehender Anstieg der Transaminasen, Zunahme oder Abnahme der Leukozytenzahl, Thrombopenie und sehr selten Erythema exsudativum multiforme bzw. Stevens-Johnson-Syndrom.
Unerwünschte Wirkungen von Sulfadoxin plus Pyrimethamin: Gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis, Völlegefühl); Hautreaktionen (Exantheme, Juckreiz, Photosensibilisierung), Haarausfall; selten bei Überempfindlichkeit schwere Hautreaktionen (Erythema exsudativum multiforme bzw. Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom); selten Lungeninfiltrate, Dyspnoe, Husten, Blutdyskrasien (Leukopenie, megaloblastische Anämie, Thrombozytopenie, Agranulozytose oder Purpura) und Leberzellschädigungen. Weiter können gelegentlich Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber oder Polyneuritiden auftreten.

Interaktionen

Fansimef soll nicht gleichzeitig mit Chinin und verwandten Stoffen verabreicht werden, da sonst eine erhöhte Gefahr von Krämpfen besteht. Schwere Malaria-Fälle können jedoch initial, gegebenenfalls über mehrere Tage, intravenös mit Chinin und anschliessend mit Fansimef behandelt werden. Auf Interaktion beruhende verstärkte Nebenwirkungen von Chinin und Mefloquin lassen sich weitgehend vermeiden, wenn Fansimef nicht früher als zwölf Stunden nach der letzten Dosis von Chinin verabreicht wird.
Interaktionen mit herzwirksamen Arzneimitteln, z.B. mit Betarezeptorenblockern, sind möglich.
Aufgrund der vorliegenden Daten kann eine Interaktion zwischen Mefloquin und Valproinsäure vermutet werden, welche zu einer Beschleunigung der Metabolisierung von Valproinsäure führt. Da bisher Wechselwirkungen mit oralen Antidiabetika oder oralen Antikoagulantien nicht ausgeschlossen werden können, sollten deren entsprechende klinische Parameter während der Einwirkungsdauer von Fansimef sorgfältig überprüft werden.
Die gleichzeitige Anwendung von Fansimef mit Trimethoprim und Trimethoprim-Sulfonamid-Kombinationen kann eine verstärkte Antifolatwirkung mit entsprechenden hämatologischen Nebenwirkungen zur Folge haben und sollte deshalb vermieden werden.
Es bestehen Hinweise dafür, dass bei kombinierter Anwendung von Fansimef und Chloroquin Nebenerscheinungen häufiger auftreten und schwerer verlaufen als unter Fansimef allein.

Überdosierung

Bei Überdosierung von Fansimef können Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, atrioventrikuläre Überleitungsstörungen, psychische Erregungserscheinungen, allenfalls Konvulsionen auftreten. Ebenfalls in Erscheinung treten könnten Blutbildveränderungen wie megaloblastische Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie.
Massnahmen: Magenspülung, Flüssigkeitszufuhr, genaue Herzüberwachung (EKG), bei Konvulsionen parenteral Diazepam oder ein Barbiturat. Wiederholte Blutbildkontrollen bis zu vier Wochen nach der Überdosierung. Bei den genannten Blutbildveränderungen Folinsäure (Leucovorin) intramuskulär verabreichen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit EXP bezeichneten Datum verwendet werden.

IKS-Nummern

46464.

Stand der Information

August 1992.

2018 ©ywesee GmbH
Einstellungen | Hilfe | FAQ | Anmeldung | Kontakt | Home